Frauenzell stellt sich vor
In einem Zipfel des Landkreises Oberallgäu, hart an der württembergischen Grenze, fast in der Mitte des Dreiecks Kempten - Isny - Leutkirch, liegt Frauenzell.
Um die schöne Barockkirche scharen sich schmucke Bauernhäuser und rundherum zeigt sich die hügelige grüne Allgäuer Landschaft in ihrem schönsten Kleid.

Wie bei so vielen Orten rankt sich auch um die Gründung von Frauenzell eine Sage aus dem Jahr 850: Als da, wo jetzt das Dorf Frauenzell steht, noch Wald- und Viehweidboden war, geschah es, dass ein Stier auf dem Platz wo jetzt der Altar der Kirche steht, mit den Hörnern im Boden wühlte und ein Marienbild zu Tage förderte. Dieses Bild wurde in die Kirche nach Hinznang gebracht, da die Gegend damals zur Pfarrei Hinznang gehörte. Am Morgen jedoch fand man das Bild wieder an der Stelle, an der der Stier es ausgegraben hatte. So entschloß man sich, auf der Anhöhe "Buch" eine eigene Kapelle für das Bild zu bauen. Doch das, was am Tage gebaut worden war, stand über Nacht an der ursprünglichen Fundstelle des Bildes. Nun sah man dies als Gottes Zeichen an und vollendete den Bau an Ort und Stelle. Um die Kirche herum entstand das Dorf Frauenzell.

Natürlich entspricht diese Sage nicht ganz der Wahrheit. Tatsache ist: Frauenzell ist uralt. Durch seine Beziehung zum Kloster St. Gallen ist der Ort Frauenzell einer der frühest bezeugten Orte des Allgäus. Frauenzell wird erstmals als Hupoldescella (=Celle des Mönchs Hupold) auf einer Pergamenturkunde der Abtei St. Gallen erwähnt.

Um 1434 tauchte der Name "Unserfrawenzelle" (unser Frauen Zelle) auf, nachdem bereits zuvor die Pfarrei als "Cella Mariä" in dem Annatenregister des Bistums Konstanz genannt wurde. 1503 richtet das Stift Kempten in Frauenzell ein Dorfgericht ein. Mit dem Bau der barocken Pfarrkirche mit ihrem sehenswerten Wessobrunner Schmuck in ihrer jetzigen Form wurde 1707 begonnen. Der früher errichtete Turm wurde nach seiner Beschädigung durch eine Feuersbrunst im Jahre 1874 auf die respektable Höhe von 52 Metern gebracht.

Überaus reizvoll ist auch die Umgebung des Dorfes. Ungefähr eine Wegstunde nach Südosten, 150 Meter höher, liegt auf einer Kuppe der Wallfahrtsort Gschnaidt. Es ist ein überaus schöner Platz mit 2 Kapellen und einer Gaststätte. Früher war er sehr mühsam durch unwegsames Gelände, heute jedoch sehr leicht mit dem Auto zu erreichen. Gschnaidt ist einer der hartumstrittensden und vielfach in Sagen gehüllter Wallfahrtsorte, der jedoch heute einen großen Besucherstrom aufweisen kann. Auch auf dem ca. 5 km entfernten Weiler Walkenberg stand einst eine uralte Holzkapelle, die jedoch im Jahr 1952 durch eine neue, dem Bruder Klaus geweihte Kapelle ersetzt wurde. Die 800 Jahre alte Linde auf dem Walkenberg gehörte einst zu den Sehenswürdigkeiten im Allgäu. Sie fiel leider vor einigen Jahren einem Unwetter zum Opfer.

Im Zuge der Gebietsreform wurde Frauenzell 1972 mit seinem weiten Hinterland, zusammen mit Muthmannshofen, Kimratshofen und Krugzell zu einer Großgemeinde mit dem Markt Altusried verschmolzen. Vor diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde Frauenzell einschließlich der 5 dazugehörenden Weiler ca. 730 Einwohner. Nach dem Krieg fanden viele Heimatvertriebene hier eine freundliche Aufnahme, so daß die Einwohnerzahl zeitweilig auf 840 anstieg. Die meisten sind jedoch inzwischen wieder abgewandert.

Die Landwirtschaft ist nach wie vor einer der Haupterwerbszweige in Frauenzell. Daneben haben sich in den letzten Jahren aber auch einige Gewerbetreibenden einen gesunden Betrieb aufgebaut. Obwohl der Verlust der Selbständigkeit und der Verlust der Volksschule die Frauenzeller anfänglich etwas schmerzte, haben sie sich durch kulturelles Leben und Zusammenhalt innerhalb der örtlichen Vereine die Einstellung zum traditionsgebundenen, ländlichen Charakter bewahrt.

Mit Unterstützung der Gemeinde wurde in Frauenzell verschiedene Projekte durchgeführt. So wurde u.a. eine großzügige Ortsdurchfahrt gebaut. 1989 wurde der auf dem Platz des bisherigen Pfarrhofes erbaute Festsaal feierlich eingeweiht. Seine zentrale Lage am Dorfplatz direkt neben Kirche und altem Schulgebäude, sowie das gleichzeitig mitgebaute Feuerwehrhaus und das bauliche Bindeglied zu der, die Vereinsräume beherbergenden Schule, machen ihn zu einem echten Dorfzentrum. Der Dorfplatz vor Kirche und Festsaal wurde im Jahre 2000 im Rahmen der Umgestaltung der Ortsdurchfahrt und dem 1. Schritt des Baus der Kanalisation, völlig neu gestaltet. Zur Zeit wird der Bau der Kanalisation weitergeführt und die Außenfassade der Kirche renoviert.